Wie wird mein Kind zum Tennis-Superstar?
18 Okt 2015

Wie wird mein Kind zum Tennis-Superstar?

Gibt es darauf überhaupt eine Antwort? Und wenn ja, würden

18 Okt 2015

Gibt es darauf überhaupt eine Antwort? Und wenn ja, würden das viele Eltern gerne wissen, soviel kann ich mit Sicherheit sagen. Woher ich das weiss?

Die Antwort darauf ist relativ einfach. Seitdem unser Junge, Quentin Gabler, mit ca. 5 Jahren angefangen hat Tennis zu spielen, hat sich unser Leben radikal verändert.
Im Endeffekt dreht sich mittlerweile alles, außerhalb der normalen Arbeit, hauptsächlich um Tennis. Die Menge der Tennisplätze, Tennisclubs und Eltern von Tennis spielenden Kindern, die wir in den letzten Jahren kennen gelernt haben, ist kaum noch abzuschätzen.

Angefangen hatte das ganze schon in Deutschland im Sportpark Faßbender in Eggenstein, dessen Cheftrainer Jürgen Faßbender jr. ein guter Freund von uns ist. Am Anfang spielte Quentin, wie alle Kinder, die mit 5 Jahren diesen Sport entdecken, nur zum Spaß und auch nur, um sich mit guten Freunden die Zeit zu vertreiben. Richtiger Ehrgeiz war da noch keiner vorhanden, zumindest nicht der Ehrgeiz, den manche Eltern schon in diesem Alter von ihren Kindern erwarten.

Für mich ist das immer wieder ein ziemlich interessantes Erlebnis, wenn die Eltern außerhalb des Tennisplatzes, bei Turnierspielen ihrer Kinder, ehrgeiziger zu sein scheinen, als die Kinder selbst. Natürlich ist es extrem spannend, wenn man dem eigenen Kind zusieht und erlebt, wie es durch die Höhen und Tiefen eines Tennisspiels geht. Aber genau hier gibt es die erste Regel auf dem Weg zum erfolgreichen Tennisspieler: Wenn das Kind nicht den „Gewinner“ in sich hat, können die Eltern noch so ehrgeizig sein, es wird nichts helfen!

Manche Eltern, die ich getroffen habe, würden jetzt laut widersprechen und Bücher über André Agassi oder Rafael Nadal anführen, die beide in extremen Masse von ihrer Familie schikaniert und zum Tennis gezwungen wurden, um erfolgreich zu sein. Daraus eine Regel abzuleiten, halte ich aber für vollkommen falsch. Wie „hart“ oder, positiver ausgedrückt, „fokussiert“ man auch die Kariere seines noch sehr jungen Kindes voran treibt, im Endeffekt macht es überhaupt keinen Sinn, wenn man es damit übertreibt. Das führt irgendwann nur zu einer Verweigerungshaltung, die dann in keinem Fall mehr etwas Positives hervorbringen kann.

Aber, werden manche sagen, André Agassi wurde doch so sehr von seinem Vater getriezt, dass er in seinem Buch sogar feststellt, dass er „Tennis hasst“ und er wurde trotzdem einer der erfolgreichsten Tennisspieler aller Zeiten.

Ja, das ist zwar richtig, aber das war André Agassi und nicht irgendjemand anders. In seinem Buch beschreibt er selbst, dass seine Schwester ebenfalls sehr begabt war, aber dem Druck des Vaters mit Verweigerung entgegen getreten ist. Anders ausgedrückt, André oder Rafael waren Kinder, denen der Druck der Familie nicht so viel ausgemacht hat, dass sie sich dem Sport gänzlich verweigert hätten. Man kann Kinder aber nicht zum Gewinnen zwingen. Man kann sie motivieren oder vielleicht auch mal geschickt „manipulieren“, aber bei den meisten Kindern wird zu viel elterlicher Druck zu nichts führen, außer dass der Familiensegen schief hängt und die Kinder immer weniger Spaß am Tennis spielen haben.

Das Kind muss es einfach in sich haben. Das Kind muss, ganz natürlich, von sich aus gewinnen wollen – und eines ist sicher, sowohl Rafael Nadal als auch André Agassi wollten gewinnen. Das hat ihnen keiner beigebracht, dass war schon da als sie zur Welt kamen. Die Eltern haben dann irgendwann erkannt, dass sie da ein Kind haben, dass Spaß daran hat zielgerichtet und willensstark um jeden Punkt bei einem Tennisspiel zu kämpfen. Wenn man das hat, dann kann man vieles tun, was das Kind weiter bringt, aber die Dosierung dieser „Unterstützung“ oder „Lenkung“ hängt in starkem Maße vom entsprechenden Kind ab.

Quentin beispielsweise, hat schon als 7-jähriger sechs Stunden intensives Tennistraining pro Tag als etwas richtig Tolles empfunden. Dafür sind wir jedes Mal auch noch eine Stunde zur John McEnroe Tennis-Akademie (in New York auf Randall’s Island) gefahren. Aber selbst das war ihm egal, obwohl wir immer 30 Minuten davon im Stau standen und ich am verzweifeln war. Er wollte unbedingt da hin und hatte dann einen Riesenspaß.

Natürlich ist er ein vollkommen normales Kind und findet auch viele andere Dinge interessant, wie z.B. eine Xbox One, ein iPad oder einen Computer. Er schaut auch gerne TV, liest wie ein Verrückter, findet Musik super und hat überhaupt Interesse an vielem, was auf diesem Planeten so passiert.

Trotzdem ist er sehr stark in seinen Interessen auf Tennis fixiert und spielt (freiwillig) fast jedes Wochenende, zusätzlich zum normalen Training, auf einem anderen Tennisturnier.

Woher kommt das? Die Antwort ist auch hier relativ einfach. Er hat einen unheimlichen Spaß, wenn er dort hin geht, Freunde trifft und um Punkte spielt, möglicherweise am Ende sogar einen Pokal mit nach Hause nimmt. Jetzt kann man einwerfen, dass das natürlich leicht gesagt ist, wenn man wie Quentin, die meisten gewonnenen Spiele in seiner Altersklasse (B10 = 10 Jahre alt und jünger) in der USTA Florida vorweisen kann.

Ja, das stimmt natürlich.

Aber die Geschichte fängt bei ihm ja genau so an, wie bei allen anderen. Bei seinem allerersten USTA-Turnier hier in Florida, hat er erstmal alle Spiele verloren. Unter anderem hat er auch gegen den Jungen gespielt, der dann Erster in diesem Jahr in ganz Florida geworden ist – bei den sogenannten „Nationals“. Viele Kinder (und Eltern) werfen nach so einem ersten Misserfolg die Flinte ins Korn und suchen sich einen anderen Zeitvertreib. Tatsächlich gibt es in Florida eine Statistik, die besagt, dass weniger als 20% der Kinder, die beim ersten Turnier verlieren, jemals ein zweites Turnier spielen.

Ich kann auch das sehr gut nachvollziehen. Quentin hatte vorher schon ein paar Turniere, in seiner Tennis-Akademie und auch außerhalb, gewonnen, als er das erste Mal ein USTA-Turnier spielte. Wie frustrierend es ist, dann drei Spiele gegen verschiedene Gegner zu spielen und mit drei Niederlagen nach Hause zu gehen, weiss nur der, der das selbst schon erlebt hat. Vorher glaubt man nämlich, bestärkt durch die Erfolge im eigenen Umfeld, dass das eigene Kind schon sehr gut ist. Geht man dann dorthin, wo die richtig guten Kinder spielen, hat man plötzlich das Gefühl, dass die bisherigen Leistungen überhaupt nichts wert sind.

Quentin wurde außerdem mehrfach von Schiedsrichtern ermahnt, seinen Schläger nicht vor Wut auf den Boden zu schlagen. Er konnte sich aber nur sehr schlecht beherrschen, weil er immer wütender wurde. Zum Schluß kam er frustriert und weinend vom Platz und lamentierte darüber, dass er der Schlechteste von allen sei – und daran war er absolut nicht gewöhnt.

Was sagt man ehrlicherweise zu seinem Kind in so einem Fall?

Man findet Argumente wie „Das war dein erstes USTA-Turnier.“, „Das ging am Anfang allen so.“, „Du hast trotzdem sehr gut gespielt.“, bis das Kind dann entgegnet: „Warum habe ich dann zu Null verloren, wenn ich gut gespielt habe?“. Genau jetzt wird es natürlich schwierig für die Eltern. Ich habe Quentin daraufhin erklärt, was auch richtig war, dass alle anderen schon viel mehr Turniere gespielt hatten als er und das er ganz sicher, genau so gut wie die anderen werden würde, wenn er sich weiter anstrengt.

Und was hat er gemacht? Er trainierte wie ein Wilder und hat sich im Training noch mehr verausgabt. Im zweiten USTA-Turnier, nur zwei Wochen später, hat er dann schon eine Medaille gewonnen, danach viele Pokale und spielt jetzt mittlerweile als 8-jähriger schon auf Turnieren mit 12-jährigen. Wieviel größer diese 12-jährigen Jungs sind, kann man sich, glaube ich, gut vorstellen.

Und hier kommt die zweite Regel: Unterstütze Dein Kind, wo und wie auch immer Du kannst.

Wir fahren, wie schon erwähnt, so gut wie jedes Wochenende auf irgendein Turnier. Quentin trainiert jeden Tag, nach Schule und Hausaufgaben, zwei Stunden. Das ist mit einem erheblichen Zeit- und Geld-Aufwand der Eltern verbunden. Keinesfalls haben wir immer Lust unser Wochenende auf einem Tennisturnier zu verbringen, außerdem haben wir noch zwei andere Kinder: Ein 15-jähriges Mädchen und Quentin’s Zwillingsbruder Rafael, der gar kein Interesse an Tennis zeigt. Wie schwierig es ist, das alles manchmal unter einen Hut zu bringen, weiss jeder, der mindestens zwei sportlich aktive Kinder hat. Auch die anderen Kinder fordern Aufmerksamkeit und wollen mal etwas Schönes mit der Familie erleben.

Jetzt hat man aber diesen begeisterten und erfolgreichen Tennisspieler in der Familie. Was kann man da noch für die anderen Kinder machen? Novak Djokovic’s Vater hat einmal gesagt, dass er in gar keinem Fall wolle, dass seine anderen Kinder auch „Tenniswunderkinder“ würden. Er hätte nämlich mit einem schon genügend zu tun. – Das ist leider, die absolute und unumstössliche Wahrheit.
Man kann diese Zeit und den Aufwand, den man für dieses eine Kind investiert, leider für die anderen Kinder nicht einfach auch noch aus dem Hut zaubern. Insofern müssen die anderen Kinder zurück stecken und man selbst hat dabei immer ein schlechtes Gewissen.
Aber welche ernsthafte Wahl hat man hierbei? Leider so gut wie keine. Der Tag hat 24 Stunden und nicht mehr und aus Quentin könnte tatsächlich ein richtig guter Tennisspieler werden.

Soll man diese Chance ungenutzt vorbei gehen lassen, wenn dieses eine Kind möglicherweise eine besondere Begabung hat?

Leider weiss man ja auch nie so genau, wie groß die Begabung wirklich ist. Wer kann das schon ernsthaft sagen mit 8 Jahren?! Mehr Gewinne als jeder anderer Junge in Florida (B10 USTA Florida) zu haben, ist schon mal gar nicht schlecht, gerade auch weil Florida ein richtig hartes Pflaster für (junge) Tennisspieler ist. Hier spielen und trainieren so viele richtig gute Kinder, dass kein Kind in der Lage ist alle Spiele zu gewinnen. Deshalb sind die Turniere auch immer sehr spannend und oft nervenaufreibend. Aber was gibt es Besseres! Quentin gibt nie auf, selbst dann nicht wenn er auf B12-Turnieren gegen einen Top-gesetzten 12-jährigen spielt, der ihn zu Null vom Platz putzt… auch dann kämpft er bis zum absolut letzten Ball.

In jedem Fall ist es noch ein sehr langer Weg bis zum ATP-Profi, der dann ja auch noch genügend Geld mit Tennis verdienen muß, um davon wirklich leben zu können.

Was Quentin bis jetzt geleistet hat, ist ein guter Anfang, aber ohne seine unbedingte Bereitschaft jeden Tag zu trainieren und fast jedes Wochenende an einem Turnier teilzunehmen, wäre das nicht möglich. Wir werden diesen Weg in jedem Fall weiter verfolgen und sehen wohin er führt, auch wenn er (für die Eltern;-)) nicht immer wirklich einfach ist.

Insofern lautet die Antwort auf die Frage „Wie wird mein Kind zum Tennis-Superstar?“:

Nur mit Hilfe von extrem engagierten Eltern und einem genau so motivierten Kind.

Hier noch zwei Videos von Quentin (als er gerade 8 geworden ist):

Quentin ist übrigens genauso wie Novak Djokovic zu 50% kroatisch, d.h. seine Mutter ist auch Kroatin… 😉 Da muss er ja – logischerweise – extrem gut werden! 😉

Aktuelle Rangliste B10-Florida: USTA B10 Ranking List Florida


Kommentare jeder Art sind absolut erwünscht.

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